Communiqué zur Infra-Tagung 2012 in Lausanne

Infrastrukturbauer machen sich
für Atomausstieg bereit

Dienstag, 7. Februar 2012 – Ohne Atomstrom müssen Wasserkraft und Geothermie massiv ausgebaut werden. Zu diesem Schluss kam die Tagung des Fachverbands Infra in Lausanne. Fachleute, Politiker und Infrastrukturbauer diskutierten intensiv über die Folgen des Atomausstiegs.

Für den Ausstieg aus der Atomenergie braucht es nicht nur andere Kraftwerke, sondern auch neue Infrastrukturen für einen effizienten Stromtransport. Grossinvestitionen seien in den nächsten Jahren deshalb notwendig, so der Tenor der Veranstaltung. Nach der Infra-Tagung in Luzern befassten sich auch die Infrastrukturbauer der Romandie mit dem Wandel der Energiepolitik.

Die Zeichen der Zeit erkennen

Blaise Clerc vom Fachverband Infra forderte die Teilnehmer auf, die Zeichen der Zeit zu erkennen und sich auf die bevorstehenden Veränderungen einzustimmen. «Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten, damit der Atomausstieg gelingt», betonte Urs Hany, Präsident des Fachverbands Infra. Die Schweizer Infrastrukturbauer stünden grundsätzlich hinter dem Entscheid des Bundesrates, sich von der Atomenergie zu verabschieden.

Grosse Herausforderungen für die Wirtschaft

Die aktuelle Energiesituation in der Schweiz und in Europa skizzierte Professor Hans B. Teddy Püttgen, Inhaber des Lehrstuhls für Energiesystem-Management an der ETH Lausanne. Nach der Havarie in Fukushima änderte der Bundesrat seine Energiepolitik praktisch über Nacht um 180 Grad. Das stellt insbesondere die Energiewirtschaft vor grosse Herausforderungen. «Vielleicht vor zu grosse», befürchtet Chantal Balet Emery der Fédération romande pour l’énergie. Trotzdem gelte es, mit dem Umbau der Infrastruktur vorwärts zu machen und innovative Lösungen zu erarbeiten.

Auf dem Weg zu einer neuen Energieversorgung spielen die Infrastrukturbauer eine wichtige Rolle. Das unterstrich auch Roger Nordmann, Nationalrat und Präsident des Verbands Swissolar. Der Wandel in der Energiepolitik, weg von der Atomkraft und hin zu einem geringeren CO2-Ausstoss, brauche neue Energiequellen und andere Infrastrukturen.

Solarenergie könnte bis zu 20 Prozent abdecken

Solarenergie hat derzeit noch einen kleinen Anteil an der gesamten Strom- und Wärmeproduktion. Doch das Potenzial sei gross, erklärte Bernard Thissen von Energie Solaire SA. Man schätzt, dass bis im Jahr 2050 rund 20 Prozent des derzeitigen Strombedarfs durch Photovoltaik erzeugt werden könnte. Thissen zeigte auf, welche technischen Möglichkeiten die Solarenergie schon heute eröffnet und was von ihr in Zukunft noch zu erwarten ist.

Wird das Stromnetz von morgen unterirdisch verlegt?

Unabhängig vom Atomausstieg besteht beim Schweizer Stromnetz ein akuter Ausbau- und Erneuerungsbedarf. Zwei Drittel des Stromnetzes ist älter als 40 Jahre. Die Hochspannungsleitungen in der Schweiz sind ausschliesslich Freileitungen. Verschwinden diese bald unter der Erdoberfläche, damit die Landschaft vor Strommasten und die Bevölkerung vor möglichen Emissionen geschützt werden? Die technischen Anforderungen für eine Erdverkabelung sind ausgesprochen hoch. Das betonte Frank Dupré vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

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